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© Adobe Stock / Filip
Im November 2025 stellte das Krankenhaus Maria Stern im rheinland-pfälzischen Remagen seinen Betrieb ein. Die geplante Übernahme durch einen privaten Träger war gescheitert, die Patienten wurden entlassen, 118 Mitarbeiter verloren ihren Arbeitsplatz. Kurz zuvor hatte im thüringischen Neuhaus am Rennweg ein Krankenhaus mit 95 Betten geschlossen, obwohl es erst wenige Wochen zuvor in kommunale Trägerschaft übergegangen war. Und Ende 2025 traf es auch das Krankenhaus Geesthacht in Schleswig-Holstein, wodurch 250 Beschäftigte plötzlich vor dem beruflichen Neuanfang standen.
Was in den Schlagzeilen meist als regionale Einzelfälle erscheint, fügt sich bei genauerem Hinsehen zu einem Muster. Die deutsche Krankenhauslandschaft schrumpft und das Tempo zieht an. Allein 2024 gab es 24 Insolvenzverfahren im Krankenhausbereich, 2023 waren es sogar 29. In den ersten Monaten des Jahres 2026 haben bereits weitere Standorte geschlossen, darunter die Berliner Schlosspark-Klinik mit 340 Betten.
Der Krankenhaus Rating Report 2025, herausgegeben vom RWI Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung, zeichnet ein Bild, das an Deutlichkeit wenig zu wünschen übrig lässt: Rund 56 Prozent der deutschen Krankenhäuser dürften 2024 einen Jahresverlust ausgewiesen haben. 2023 waren es 43 Prozent, 2020 gerade einmal 22 Prozent. Erstmals in der Geschichte der Erhebung fiel die durchschnittliche EBITDA-Marge ins Negative. Und bei der Hälfte aller Häuser reichten die Liquiditätsreserven zuletzt nur noch für zwei Wochen. Parallel dazu drängt die Krankenhausreform, die seit Januar 2025 in Kraft ist, auf eine tiefgreifende Umstrukturierung der Versorgungslandschaft. Leistungsgruppen und Vorhaltefinanzierung sollen dafür sorgen, dass Behandlungen künftig nur dort stattfinden, wo die nötigen Strukturen und das Fachpersonal vorhanden sind. Das ist im Grundsatz nachvollziehbar. In der Praxis bedeutet es allerdings: Kliniken, die bestimmte Vorgaben nicht erfüllen können, verlieren Leistungsgruppen und damit ihre wirtschaftliche Grundlage. Die Bertelsmann-Stiftung hatte bereits 2019 in einer viel beachteten Studie argumentiert, dass eine Reduktion von knapp 1.400 auf unter 600 Krankenhäuser die Versorgungsqualität verbessern würde, weil Personal und Ausstattung in den verbleibenden Häusern konzentriert werden könnten. Die Empfehlung war damals umstritten, doch der Trend geht in genau diese Richtung. Laut der aktuellen Crunchtime-Studie „Krankenhaus-Radar 2026" sehen sich nur noch zehn Prozent der kommunalen Kliniken wirtschaftlich stabil aufgestellt. 88 Prozent rechnen für das laufende Jahr mit Konsolidierungen, Zusammenschlüssen oder sogar Schließungen.
In der gesundheitspolitischen Debatte geht es meistens um Versorgungssicherheit und Finanzierung, was verständlich ist. Über eine Frage wird dabei allerdings erstaunlich selten gesprochen: Was passiert eigentlich mit den Menschen, die in einer Klinik gearbeitet haben, die es nicht mehr gibt? Die Gewerkschaft ver.di hat früh darauf hingewiesen, dass Beschäftigte nach einer Klinikschließung keineswegs automatisch in ein benachbartes Haus wechseln. Sylvia Bühler, Mitglied im ver.di-Bundesvorstand, brachte es auf den Punkt: Viele Beschäftigte würden sich nach einer Schließung beruflich umorientieren, statt längere Pendelwege auf sich zu nehmen, zumal Tarifbindung und Trägerzugehörigkeit im neuen Haus oft nicht vergleichbar seien. Für die Versorgungsrealität in ländlichen Regionen hat das weitreichende Folgen. Wenn ein Krankenhaus schließt, verliert eine Region häufig mehr als nur stationäre Betten. In Deutschland existieren aktuell rund 5.300 Medizinische Versorgungszentren, von denen etwa die Hälfte an Krankenhäuser angebunden ist. Ein einzelnes MVZ bündelt im Schnitt sechs Sprechstunden. Schließt also ein Krankenhaus, verschwinden oft auch Facharztkapazitäten, die es in der Region kein zweites Mal gibt. Und mit den Strukturen geht das Personal. Fachärzte, die an ein Klinik-MVZ gebunden waren, verlieren ihren Arbeitsplatz. Pflegekräfte, die in einem ländlichen Haus fest verwurzelt waren, stehen plötzlich vor der Frage, ob sie für einen Klinikjob 50 Kilometer pendeln oder den Beruf ganz verlassen.
So paradox es klingen mag liegt in der Krise auch eine Gelegenheit. Die Kliniken, die den Strukturwandel überstehen, werden gestärkt aus ihm hervorgehen müssen, mit mehr Leistungsgruppen und dem Auftrag, die Versorgung ganzer Regionen zu tragen. Dafür brauchen sie Personal, und zwar mehr als bisher. Bei EMC Adam beobachten wir diese Dynamik aus nächster Nähe. In den Beratungsgesprächen mit Kliniken, die gezielt Leistungsgruppen aufbauen, zeigt sich ein klares Muster: Der Bedarf an Fachärzten bestimmter Disziplinen steigt punktuell und schnell. Wer eine neue Leistungsgruppe besetzen will, etwa in der Viszeralchirurgie oder der Unfallchirurgie, braucht jetzt Personal. Gleichzeitig werden andernorts Stellen abgebaut, weil Fachabteilungen wegfallen oder ganze Häuser schließen. Theoretisch ergibt sich daraus ein Matching-Problem, das lösbar sein sollte: Hier die freigesetzten Fachkräfte, dort die aufnehmenden Kliniken. In der Praxis ist es komplizierter, weil der Standort als entscheidender Faktor dazwischensteht.
Die Krankenhäuser, die geschlossen werden, liegen überproportional häufig in ländlichen Regionen. Die Kliniken, die expandieren und neue Leistungsgruppen aufbauen, befinden sich tendenziell in Ballungsräumen oder zumindest in mittelgroßen Städten. Für Fachkräfte, die bislang wohnortnah in einer Landklinik gearbeitet haben, bedeutet das: Ein Wechsel ist oft mit einem Umzug verbunden. Und genau hier wird es schwierig. Denn die Bereitschaft, für einen neuen Arbeitgeber den Wohnort zu wechseln, hängt von vielen Faktoren ab: familiäre Bindung, Kinderbetreuung, Immobilienbesitz, die berufliche Situation des Partners. Wer einen Facharzt oder einen Pflegefachmann für ein Haus in einer strukturschwachen Region gewinnen will, muss heute deutlich mehr bieten als eine gute Vergütung. Es geht um Lebensqualität, um konkrete Unterstützung beim Ankommen, um ein Umfeld, das auch für die Familie funktioniert. Gleichzeitig können Kliniken, die diese Standortfrage klug beantworten, einen echten Wettbewerbsvorteil aufbauen. Ein Krankenhaus, das Kandidaten ein Gesamtpaket aus beruflicher Perspektive und Onboarding-Begleitung bietet, wird sich im Markt durchsetzen.
Wir erleben in unserer täglichen Arbeit beide Seiten dieser Entwicklung. Wir sprechen mit Ärzten, deren Fachabteilung geschlossen wird und die sich fragen, wohin der nächste Schritt führen soll. Und wir beraten Kliniken, die durch die Krankenhausreform neue Leistungsgruppen übernehmen und dafür schnell qualifiziertes Personal brauchen. Was uns dabei auffällt ist, dass die Standortfrage in vielen Recruiting-Prozessen noch unterschätzt wird. Kliniken beschreiben ihre offenen Stellen fachlich präzise mit Fachrichtung und gewünschten Zusatzqualifikationen. Über die Frage, warum jemand an diesen Ort ziehen sollte, wird oft wenig gesagt. Dabei ist gerade das in Zeiten des Strukturwandels der entscheidende Hebel: Kandidaten wollen wissen, was sie am neuen Standort erwartet, wie die Kinderbetreuung funktioniert, ob der Partner dort berufliche Perspektiven hat. In unserer Beratung versuchen wir deshalb, beide Perspektiven zusammenzuführen. Wir helfen Fachkräften, die durch eine Schließung freigesetzt werden, dabei, die richtige nächste Station zu finden. Und wir unterstützen Kliniken dabei, ihre Standortvorteile sichtbar zu machen und den Recruiting-Prozess so zu gestalten, dass er auf die veränderten Rahmenbedingungen Bezug nimmt.
Die deutsche Krankenhauslandschaft befindet sich in einem Umbruch, der historisch ohne Vergleich ist. Die Reform will Qualität sichern und Strukturen bündeln, was ein berechtigtes Ziel ist. Aber der Strukturwandel hat eine personelle Dimension, die in der politischen Debatte zu kurz kommt, denn Fachkräfte sind keine Verschiebemasse. Sie haben Lebensmittelpunkte und berufliche Vorstellungen. Wer davon ausgeht, dass Ärzte und Pflegekräfte nach einer Klinikschließung einfach zum nächsten Haus weiterziehen, verkennt die Realität. Für die verbleibenden Kliniken bedeutet das, dass Recruiting in den kommenden Jahren zu einer noch strategischeren Aufgabe wird. Wer jetzt in der Lage ist, freigesetztes Personal gezielt anzusprechen und den Übergang professionell zu begleiten, wird gestärkt aus dieser Phase hervorgehen. Wer das Thema aufschiebt, riskiert, dass die Fachkräfte, die er morgen braucht, heute den Beruf verlassen.
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